Wie man Bier braut - ein Versuch


Zuallererst wusste ich überhaupt nicht, wie man Bier braut und ob ich dies jemals machen würde. Ich dachte, es sei zu kompliziert, man müsste chemisches, biologisches sowie technisches Wissen mitbringen und dann noch über eine grosse Brauanlage verfügen... Ich würde mir wahrscheinlich gar nicht finanziell leisten können...

Aber doch nicht! Gerade ist mein erstes selbstgebrautes Bier fertig geworden!

Also, wie funktioniert die ganze Spielerei mit dem Bierbrauen? Das erkläre ich euch hier kurz und knapp.

Ich wollte ein leichtes fruchtiges Bier mit bitterer Note im Stil eines klassichen Pale Ales brauen. Also, was brauchte ich alles, um dieses Ziel zu erreichen?

Zunächst benötige ich Malz. Das ist eingekeimtes und abgegartes Getreide, meist Gerste oder Weizen. Es hat einen grossen Einfluss auf die Bierfarbe und gibt die Röstnoten.

 Malz

Malz

Danach benötige ich Hopfen. Diese Pflanzenart gehört zur gleichen Familie wie Hanf (Nein, Hopfenrauchen bringt ausser ein gehopftes Feeling nicht viel ;-) ) Die bittere Note eines Bieres ist von der Alpha-Säure des Hopfens abhängig. Je mehr Alpha-Säure, desto bitterer. Weltweit gibt es Hunderte von Hopfensorten, welche alle einen eigenen Charakter und Aromen haben.

 

Die Hopfen am Baum sehen so aus:

  Hopfen

Hopfen

Meistens verwenden die Brauer Hopfenpellets, da sind die Hopfen bereits zusammengepresst.

  Hopfenpellets

Hopfenpellets

 

Folgende Zutaten brauchte ich zum Bierbrauen:

  • Malz, 3.5kg
  • Hopfen, 30g
  • Hefe
  • 17 Liter Wasser

Und die Geräte:

  • Kochschüssel mit Temperatureinstellung
  • Wassertemperaturmesser
  • Gärtank
  • Desinfizierungsmittel
  • gelöcherter Sack für Malz

Das ist schon alles für eine kleine Hobby-Brauerei.

  die nötigste Equipment für eine Hobby-Brauerei 

die nötigste Equipment für eine Hobby-Brauerei 

 

Wie funktioniert nun die ganze Lebensmitteltechnologie? Eigentlich ist das (nicht) so kompliziert.

Damit überhaupt Alkohol entsteht, braucht man Zucker, der mit Hilfe der Hefe vergärt werden soll. Damit Zucker entsteht, sollte die Stärke mit Hilfe der Enzyme in Zucker umgewandelt werden. Malz hat Stärke und Enzyme. Beim Wasserwärmen werden die Enzyme im Malz aktiviert und ab 80 Grad deaktiviert. Ich lasse das Wasser mit dem Malz eine Stunde lang wärmen, um die Stärke in die Zucker umwandeln zu lassen. Zucker und Malz alleine ergeben dann nur einen faden, süss-malzigen Geschmack. Ich möchte diesen Geschmack mit einer bitteren und fruchtigen Note ausgleichen.

  Malz im eingelöcherten Sack kommt im warmen Wasser hinein

Malz im eingelöcherten Sack kommt im warmen Wasser hinein

  Temperatur messen

Temperatur messen

 

Der Hopfen ist in seiner Form bitter. Es gibt in den unterschiedlichsten Hopfensorten verschiedenste Arten von Hopfenaromen wie Mandarine- und Zitronearomen. Also nehme ich diese beide Sorten und füge sie zum Gerstensaft dazu. Um die bitteren Aromen herauszuholen und die Enzyme zu stoppen, koche ich das Wasser auf  über 90 Grad hoch. Wieder eine Stunde lang sieden.

  Hopfen dazu

Hopfen dazu

 

Nach dem Bierbrauen muss ich die Würze zuerst abkühlen lassen und dann schmeisse ich die Hefe in den Gärtank hinein, sonst stirbt die Hefe bei warmen Temperatur ab. Ich lasse die Hefe zwei Wochen lang im Bier gären. So wird Zucker in Alkohol umgewandelt.

 

Dann in die Flaschen füllen und Zucker dazugeben, so entsteht die Kohlensäure.

  Flaschen füllen und Zucker hineingebe  n

Flaschen füllen und Zucker hineingeben

 Uueeh, erste eigene Flaschenkiste geglückt! :D

Uueeh, erste eigene Flaschenkiste geglückt! :D

Die Flaschen müssen zwei Wochen lang gelagert werden, stehen also in einem Harass in meinem Zimmer. Nach dem Lagern stelle ich die Flaschen in den Kühlschrank. Dort bleiben Sie für eine Woche, damit sich die Hefe auf dem Flaschenboden absetzen kann. 

Was vorher unmöglich schien, wurde nun Realität: Ich habe mein erstes eigenes Bier gebraut!

Leider hatte ich keine Craftbier Gläser bei mir, die die Aromen am besten entfalten können, also nahm ich Weinglas was auch geht.

 

Das Ergebnis: Es riecht ein bisschen nach fruchtigen Hopfen und beim Trinken falten sich die Bitter- und Fruchtaromen sehr schön langsam aus und dieser Geschmack bleibt für ein paar Sekunden auf der Zunge, danach verschwinden die Aromen leider zu schnell. Die Farbe ist recht goldig und wegen der Hefe trüb, was nicht gerade zu Pale Ale passend ist. Kurz gefasst: Es riecht zu wenig stark, die kräftige Aromen sind auf der Zunge sehr bemerkbar sowie der fruchtigen Note, aber die Abgang ist zu kurz. Die Farbe ist ein wenig zu trüb.

  goldig, aber zu trüb

goldig, aber zu trüb

Ich bin schlussendlich sehr zufrieden, weil es auch mein erster Braugang war. Nun könnte ich dieses Pale einen Namen geben! Ich brauche meinem Kopf nicht zu zerbrechen, also ich nenn dieses Ale einfach so: Versuch Nr.1 Ale.

Da mir das Brauen riesig Spass gemacht hat, werde ich natürlich nochmals brauen. Ich würde nur gerne versuchen die Geruchsnote und die Abgang voll auszuschöpfen.

Wenn ihr noch mehr darüber wissen wollt, dann kann ich für euch eine genaue Brauanleitung erstellen, damit ihr das Bierbrauen auch ausprobieren könnt!

 

 

  Versuch Nr.1 Ale

Versuch Nr.1 Ale